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Die Funü Zazhi 婦女雜誌 wurde vom Verlagshaus Commercial Press 商務印書館 (Shangwu Yinshu Guan) mit Hauptsitz in Shanghai zwischen Januar 1915 und Dezember 1931 monatlich herausgegeben. Die lange ununterbrochene Erscheinungsdauer lässt sich zurückführen, das die Zeitschrift bei der bereits 1898 gegründeten Commercial Press herauskam, die das grösste und erfolgreichste Verlagshaus Chinas war und Buchhandlungen in über 28 chinesischen Städten, und darüberhinaus in Hong Kong, Macao und Singapur besass. Aufgrund dieser Tatsache war sie anderen Frauenzeitschriften gegenüber im Vorteil, denn so konnte sie grössere Verbreitung erreichen. Zunächst mit einer Auflage von 3 000 Exemplaren herausgegeben, erreichte sie bald Auflagenzahlen von mehr als 10 000 Exemplaren, eine Zahl, die im nationalen Vergleich zu anderen Frauenzeitschriften sehr hoch war. Als Verleger der Funü Zazhi hatte die Commercial Press die Entscheidungsfreiheit über die Einstellung der Herausgeber und somit erheblichen Einfluss auf die Selbsdarstellung der Zeitschrift. Bei der Wahl der häufig wechselnden Chefredakteure spielten politisch-feministische Kriterien eine untergeordnete Rolle. Vielmehr wurden sie aus den eigenen Reihen gewählt. So hatte Wang Yunzhang 王薀章 (1884-1942), der die Herausgeberschaft der Funü Zazhi mit Unterbrechung von 1915 bis 1919 übernahm, vorher bereits den Posten des Chefredakteurs der "Xiaoshuo Yuebao" inne, eine ebenfalls von der Commercial Press herausgegebene Literaturzeitschrift. Als führendes Mitglied des Literaturkreises der "Southern Society" (南社 Nanshe) war er ein Vertreter der unter dem polemischen Namen "Mandarin Enten- und Schmetterlingsliteratur" 鴛鴦蝴蝶派文學 (Yuanyang Hudie Pai Wenxue) bekannten Literaturrichtung. Ihm verdankt die Zeitschrift in der Anfangsphase ihre literarische Ausrichtung. Gegen Ende seiner Zeit als Chefredakteur übte er gleichzeitig denselben Posten bei der Xiaoshuo Yuebao 小說月報 aus (1918-1919). Auch wenn die Commercial Press die Herausgeberschaft schon nach einem Jahr an eine Frau, Zhu-Hu Binxia 朱胡彬夏 (1888-196?), übertrug, behielt eigentlich Wang bis 1919 weiterhin die Führung der Zeitschrift. Obwohl Zhu-Hu also nominell Chefredakteurin der Funü zazhi war, war es weiterhin Wang, der die Artikel verfasste und sie von Zhu-Hu gegen ein grosszügiges Honorar unterzeichnen liess. Mit der Ernennung von Zhu-Hu Binxia versuchte die Commercial Press, die Funü Zazhi bei Frauen beliebter zu machen. Ein weiterer Grund für die Einstellung Zhu-Hus war der Umstand, dass sie als junge Frau die Hoffnungen junger Menschen symbolisierte. Allerdings erwiesen sich beide Hoffnungen offensichtlich als trügerisch und so wurde Zhu- Hu 1919 wieder entlassen. Vor ihrer Anstellung als Chefredakteurin der Funü Zazhi hatte Zhu-Hu in Japan und den USA studiert. Nach ihrer Rückkehr nach Shanghai im Jahre 1915 hatte sie sich in einer internationalen Forschungsgruppe zum Wohle von Kindern engagiert (萬國幼兒幸福研究會 Wanguo you‘er xingfu yanjiu hui) und war als Lehrerin tätig gewesen. Von 1915 bis 1921 war sie darüberhinaus Präsidentin des Shanghaier Zweiges der YWCA . Nach ihrer Entlassung von der Funü zazhi 1919 (?) blieb sie im Lehrerberuf tätig. Wang Yunzhang blieb zwar weiterhin Chefredakteur der Funü zazhi, aber inoffiziell wurde Shen Yanbing 沈雁冰 (Mao Dun 茅盾) (1896-1981) die Aufgabe der Reformierung der Funü Zazhi übertragen. Wie Wang war auch Shen vor seiner Zeit bei der Funü Zazhi bereits als Redakteur und auch Übersetzer bei der Commercial Press angestellt gewesen. Mit der Wahl Shens zur Modernisierung der Zeitschrift sollten die Ideen der Neuen Kulturbewegung Eingang in die Funü Zazhi finden und somit neue Leserkreise erschlossen werden. Shen blieb der Funü Zazhi jedoch nicht sehr lange erhalten. Nach der Kündigung von Wang Yunzhang 1920 wurde Shen der Posten als Chefredakteur der Funü Zazhi und der Xiaoshuo Yuebao angeboten. Shen entschied sich daraufhin für die Xiaoshuo Yuebao, deren Leitung er von 1920 bis 1923 übernahm. Wang Yunzhang wurde 1921 durch Zhang Xichen 章錫琛 ( 1899-196?) ersetzt, der die Reform der Funü Zazhi einleitete. Er gehörte schon seit 1912 der Commercial Press an und war als Übersetzer und Redakteur bei der Dongfang Zazhi 東方雜誌 tätig gewesen. Gemeinsam mit Lu Xuns 魯迅 jüngeren Bruder, Zhou Jianren 周建人 (1888-?), übernahm er bis 1925 die Herausgeberschaft der Funü Zazhi. Sein Interesse an Frauenfragen zeigt sich in der Gründung der "Gesellschaft zur Erforschung von Frauenfragen" (中國婦女問題研究會 Zhongguo funü wenti yanjiu hui) 1922. Durch Zhang Xichen kam es zu einer radikalen Reform der Funü Zazhi. Das Format veränderte sich ebenso wie die Inhalte. Es wurden Sonderausgaben und zunehmend theoretisch-wissenschaftliche Artikel veröffentlicht. Darüberhinaus liess die Zeitschrift mehr Raum für Beiträge und Meinungen von Lesern. Diese Massnahmen waren so erfolgreich, dass die Auflage der Zeitschrift stieg. Nach seiner kontroversen Kündigung bei der Funü Zazhi wegen seiner zu liberalen Haltung gründete Zhang schliesslich mit Zhou Jianren seine eigene Frauenzeitschrift, die Xin Nüxing 新女性, und ein Verlagshaus, Kaiming Shudian 開明書店 . Als Nachfolger Zhang Xichens wurde Du Jiutian 杜就田 ausgewählt, der von 1912 bis 1915 Chefredakteur der Dongfang Zazhi gewesen war. Er blieb von 1926 bis 1930 Chefredakteur der Funü Zazhi und fiel weniger durch feministische Überzeugungen auf als vielmehr durch sein Interesse an Kunst. In den nachfolgenden Jahren von Mitte 1930 bis 1931 waren es der überzeugte Feminist Ye Shengtao 葉聖陶 und Yang Runyu 楊潤餘, die jeweils nur 9 Monate den Posten des Chefredakteurs der Zeitschrift übernahmen. Yang Runyu war eine Frau, die einen langen Studienaufenthalt in Frankreich vorweisen konnte und entsprechend eigentlich mehr an französischer Literatur interessiert war als an Frauenfragen. Alle Chefredakteure- unter ihnen nur wirklich eine Frau hatten mehr oder weniger gemeinsam, dass sie vor ihrer Anstellung bei der Funü Zazhi keine Erfahrung in frauenpolitischen Fragen hatten. Die Zeitschrift erschien im Hochformat in der Seitengrösse 26,5 cm x 19 cm. Jede Ausgabe umfasste zwischen 120 und 150 Seiten. Cover im Laufe der Zeit:
Sources: NIVARD Jacqueline Histoire d‘une feminine chinoise: Funü zazhi, 1915-1931, Paris: EHESS [École des Hautes Études en Sciences Sociales], 1982 NIVARD Jacqueline "Women and the women's press. The case of the Ladies‘ Journal (Funü Zazhi) 1915-1931" in: Republican China 1984. 10, 1b: 37-55 WANG Zheng "A case of circulating feminism. The Ladies' Journal" in: Women in the Chinese enlightenment: Oral and textual histories (WANG Zheng, Hrsg.), Berkeley: University of California Press, 1999, 67-116
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